Zucht

Guppy-Vermehrung: vom trächtigen Weibchen zu gesunden Jungfischen

Guppys vermehren sich bekanntlich von ganz allein. Die eigentliche Frage ist also nicht, ob sie Nachwuchs bekommen, sondern wie du gesunde Jungfische erhältst, die überleben und zu schönen Tieren heranwachsen. Dieser Ratgeber zeigt dir Beckeneinrichtung, Trächtigkeitszeichen, Schutz der Jungen und wie du die Population im Griff behältst.

Guppy-Männchen mit gelb-schwarz gemusterter Schwanzflosse

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Guppy-Vermehrung: die Grundlagen

Der Guppy (Poecilia reticulata) gehört zu den Lebendgebärenden Zahnkarpfen. Statt Eier zu legen, trägt das Weibchen den Nachwuchs im Körper und bringt voll entwickelte Jungfische zur Welt, die sofort schwimmen und fressen. Das Männchen befruchtet das Weibchen innerlich über seine umgebildete Afterflosse, das Gonopodium.

Zwei Besonderheiten erklären, warum ein Guppybecken so schnell voll wird. Erstens speichert das Weibchen Spermien und kann nach einer einzigen Paarung mehrmals werfen, oft etwa alle vier Wochen. Zweitens werden die Jungen schnell geschlechtsreif: Männchen können sich ab einem Alter von rund zwei Monaten paaren. Bist du neu bei dieser Art, lies zuerst unseren Guppy-Steckbrief, denn gesunde Elterntiere in gutem Wasser sind die Basis jeder erfolgreichen Zucht.

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Die richtigen Zuchttiere

Starte mit aktiven, gut gefärbten Fischen mit sauberen Flossen und ohne Krankheitszeichen. Möchtest du eine bestimmte Zuchtform (Cobra, Tuxedo, Moscow, Halbschwarz usw.), kaufe bei einem Züchter, der seine Linien getrennt hält. Guppys aus dem Zoohandel sind meist Mischlinge und bringen bunt gemischten, oft blasseren Nachwuchs.

Halte 1 Männchen auf 2–3 Weibchen. Männchen treiben die Weibchen ständig, und wenn sich das auf mehrere Weibchen verteilt, sinken Stress, Flossenschäden und Fehlgeburten. Für eine reine Linie brauchst du Jungfernweibchen: Weil Weibchen Spermien speichern, kann ein Tier, das schon mit anderen Männchen zusammen war, deren Gene über mehrere Würfe weitergeben.

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Das Zuchtbecken einrichten

Ein 40-Liter-Becken reicht für ein kleines Trio, ein 80-Liter-Becken bietet einer Zuchtgruppe aber deutlich mehr Stabilität und den Jungfischen Platz zum Wachsen. In unserer Übersicht der Fische für ein 80-Liter-Aquarium siehst du, wie Guppys in ein Gesellschaftsbecken passen.

Das Becken muss vollständig eingefahren sein, bevor Fische einziehen. Jungfische reagieren sehr empfindlich auf Ammoniak und Nitrit, schon kleine Spitzen können einen ganzen Wurf vernichten.

  • Filter: Ein Schwammfilter ist der Klassiker, weil er keine Jungfische einsaugt und reichlich Biofilm zum Abweiden bietet
  • Heizung: ein zuverlässiger, regelbarer Aquarienheizer auf 24–27 °C; wärmeres Wasser beschleunigt Tragzeit und Wachstum
  • Wasserwerte: pH 7,0–8,0, mittelhartes Wasser (GH 8–18 °dH), wöchentlicher Wasserwechsel von etwa 25 %
  • Verstecke: Javamoos, Hornkraut und Schwimmpflanzen bieten Neugeborenen Deckung
  • Licht: 8–10 Stunden am Tag; Dauerlicht stresst Alt- und Jungfische

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Woran erkennst du ein trächtiges Guppy-Weibchen?

In einem gemischten Becken kannst du davon ausgehen, dass fast jedes erwachsene Weibchen fast immer trächtig ist. Einige Zeichen verraten aber, dass die Geburt bevorsteht:

Anzeichen von Trächtigkeit und nahender Geburt beim Guppy
ZeichenWas du siehstZeitpunkt
TrächtigkeitsfleckDunkler Fleck nahe der Afterflosse, wird größer und dunklerFast die ganze Tragzeit
KörperformBauch stark gerundet, von der Seite fast eckigLetzte Woche
Augen der JungenKleine dunkle Punkte im Trächtigkeitsfleck bei hellen WeibchenLetzte Tage
VerhaltenVersteckt sich, bleibt nahe Heizer oder Pflanzen, frisst nicht, atmet schnellLetzte 24–48 Stunden

Die Tragzeit beträgt meist 21–30 Tage. In warmem Wasser ist sie kürzer, in kühlem länger, deshalb ist eine stabile Temperatur so wichtig.

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Jungfische retten: Ablaichkasten, eigenes Becken oder dichte Bepflanzung

Erwachsene Guppys, auch die Mutter, fressen Jungfische, die sie erwischen. Es gibt drei gängige Wege, jeder mit Vor- und Nachteilen:

  • Dichte Bepflanzung im Hauptbecken: die natürlichste Methode. Dichtes Javamoos oder Schwimmpflanzen lassen einen Teil der Jungen überleben, ohne das Weibchen zu stressen. Es überleben weniger, was oft genau richtig ist.
  • Ablaichkasten oder Ablaichnetz: im Becken eingehängt, trennt er Junge und Alttiere. Setze das Weibchen erst kurz vor der Geburt ein, denn die Enge stresst und kann eine Frühgeburt auslösen. Nach dem Wurf sofort zurücksetzen.
  • Separates Aufzuchtbecken: 20–40 Liter mit Schwammfilter und Heizer, befüllt mit Wasser aus dem Hauptbecken. Die Jungen mit einem kleinen Becher umsetzen. Das bringt die beste Überlebensrate und das schnellste Wachstum.

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Guppy-Jungfische füttern und aufziehen

Guppy-Jungfische sind vom ersten Tag an groß genug für Staubfutter. Sie wachsen am besten mit kleinen Portionen 3–5-mal täglich, weil ihr winziger Magen schnell leer ist. Gut geeignet sind fein zerriebenes Flockenfutter, Aufzuchtfutter in Pulverform, frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien und Mikrowürmer. Unser Ratgeber, wie oft man Aquarienfische füttern sollte, zeigt, wie du die Fütterung mit dem Wachstum anpasst.

Häufiges Füttern bedeutet mehr Belastung, deshalb halten kleine, häufige Wasserwechsel (10–20 % alle zwei bis drei Tage) das Aufzuchtbecken sauber. Sauge vorsichtig ab und kontrolliere den Eimer, bevor du ihn ausgießt: Dort landet gern ein Jungfisch.

Entwicklung von Guppy-Jungfischen (ungefähre Richtwerte)
AlterEntwicklungWas zu tun ist
Tag 0–7Verstecken sich am Boden und in Pflanzen4–5 kleine Mahlzeiten täglich
Woche 2–3Schwimmen offen, erste Farben je nach ZuchtformHäufige Fütterung und Wasserwechsel beibehalten
Woche 4–6Gonopodium der Männchen wird sichtbarGeschlechter trennen, um frühe Paarungen zu vermeiden
Monat 2–3Farben und Flossen entwickeln sichDie besten Tiere auslesen
Monat 3–4Fast ausgewachsenIns Gesellschaftsbecken setzen oder abgeben

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Selektion und Bestandskontrolle

Willst du eine Zuchtform erhalten oder verbessern, behalte in jeder Generation die am schönsten gefärbten Männchen und die am besten gebauten Weibchen und verpaare sie in einem eigenen Becken. Vermeide über viele Generationen Inzucht ohne frisches Blut aus derselben Linie, sonst lassen Vitalität und Fruchtbarkeit nach.

Möchtest du einfach ein schönes Gesellschaftsbecken, plane den Bestand von Anfang an: Wenige Weibchen können im Jahr Hunderte Jungfische bekommen. Möglich sind ein reines Männchenbecken (die Männchen sind ohnehin am farbigsten), weniger Weibchen, Mitbewohner und Pflanzen, die die Überlebensrate natürlich begrenzen, oder die Abgabe überzähliger Tiere an den Zoofachhandel oder einen Aquarienverein. Unser Ratgeber zur Guppy-Vergesellschaftung nennt friedliche Arten mit passenden Wasserwerten.

Setze überzählige Guppys niemals in Teichen, Bächen oder Gräben aus. Ausgesetzte Fische können sich invasiv ausbreiten und Krankheiten auf heimische Arten übertragen.

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Häufige Probleme bei der Guppyzucht

Fast alles läuft auf Wasserqualität, Stress und Ernährung hinaus. Zeigen die Alttiere geklemmte Flossen, weiße Punkte oder ausgefranste Flossen, kümmere dich zuerst darum und pausiere die Zucht, bis das Becken stabil ist.

  • Tot- oder Frühgeburten: Stress, Temperatursturz oder Weibchen zu früh im Ablaichkasten
  • Keine Jungfische zu sehen: Sie werden gefressen; mehr Verstecke schaffen oder das Weibchen trennen
  • Kümmernde Jungfische: zu wenige Mahlzeiten oder schlechte Wasserwerte
  • Verkrümmte Wirbelsäulen: oft Folge starker Inzucht oder schlechter Bedingungen in den ersten Wochen
  • Weibchen sterben nach dem Wurf: zu starkes Treiben der Männchen; mehr Weibchen einsetzen oder Männchen herausnehmen

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Wie lange sind Guppys trächtig?

Die Tragzeit beim Guppy beträgt meist 21–30 Tage, typisch sind etwa vier Wochen. Wasser mit 25–27 °C verkürzt sie, kühleres Wasser verlängert sie. Da das Weibchen Spermien speichert, kann es ohne neue Paarung ungefähr jeden Monat erneut werfen und nach einer einzigen Begegnung mit einem Männchen mehrere Würfe bekommen.

Wie viele Junge bekommt ein Guppy-Weibchen?

Ein typischer Wurf umfasst etwa 10–50 Jungfische. Junge oder kleine Weibchen bringen manchmal nur eine Handvoll, große, gut genährte Weibchen gelegentlich über 100. Wie viele davon überleben, hängt aber viel stärker von Verstecken, Mitbewohnern und Fütterung ab als von der Wurfgröße.

Fressen Guppys ihre Jungen?

Ja. Erwachsene Guppys, die Mutter eingeschlossen, fressen Jungfische, die sie fangen können. Um mehr Junge durchzubringen, sorge für sehr dichte Bepflanzung (Javamoos, Schwimmpflanzen), nutze den Ablaichkasten nur während der Geburt oder setze die Jungen in ein eigenes Becken. In einem gut bepflanzten Aquarium überleben meist einige auch ohne Eingriff.

Ab wann dürfen Guppy-Jungfische zu den Alttieren?

Warte, bis sie nicht mehr ins Maul der Alttiere passen, meist nach 4–6 Wochen bei rund 1,2 cm Länge. Bei größeren Mitbewohnern dauert es länger. Zu diesem Zeitpunkt solltest du auch junge Männchen und Weibchen trennen, wenn du die Vermehrung steuern willst.

Wie züchtet man Guppys auf Farbe?

Starte mit einer reinen Linie von einem spezialisierten Züchter und verwende Jungfernweibchen. Verpaare das am schönsten gefärbte Männchen mit zwei oder drei Weibchen, ziehe die Jungen getrennt auf und behalte nur Tiere mit den gewünschten Merkmalen. Wiederhole das jede Generation und bringe gelegentlich Tiere derselben Linie dazu, damit sie vital bleibt.

Quellen und Literatur

Verfasst und geprüft von der handsoffmyhobby-Redaktion gemäß unseren redaktionellen Richtlinien.

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